Teil 3b. Selbstversorgung - Anbau von Tomaten, Paprika , Chilis, - Risiken

Angelika-Marie

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Okay,
nachdem wir im letzten Beitrag die zu alten oder die Samen unbekannter Herkunft behandelt haben, geht es heute weiter mit Punkt 2.und 3. der Risikenliste, weshalb bei Eurer Anzucht etwas nicht gedeihen könnte.

Als erstes:

- die Wärme zum Zeitpunkt des Keimen und Weiterwachsens reicht nicht aus.​


Wir sollten uns zunächst darüber klar sein, dass Tomaten, Paprika, Chilis, auch Auberginen, keinesfalls ihren 'wilden' Ursprung in Deutschland, Österreich, meinetwegen auch in Belgien oder den Niederlanden haben, sondern in klimatisch deutlich wärmeren Gebieten des Globus.
Dort konnten ihre Samen mitsamt der (überreifen) Frucht von der Pflanze fallen, und sie vermehrten sich- wild - von selber.

Obwohl Russland und auch die ehemalige DDR ungeheuer viel an ( sehr, sehr guten!) Züchtungen getan haben, die auch in bescheidenen mitteleuropäischen Sommern reifen, haben sie es doch nicht hinbekommen, Tomaten, Paprika, Chilis und Auberginen davon zu überzeugen, dass sie bitte unter 20 Grad keimen sollen.

Das tun sie nicht. ( Und wenn sie es doch mal tun- dann gedeihen sie etwas später nicht weiter. Sie stocken, noch bevor und während sich die ersten echten Blattpaare ausbilden.)
22 Grad ist Minimum. Nach oben ist das Spektrum bis zu 30, 32 Grad offen, und je wärmer die Samen stehen, desto besser und zügiger keimen sie. Auch die ersten drei, vier Wochen benötigen sie noch viel Wärme, sonst kümmern gerade Paprika, Chilis und Auberginen, Tomaten sind geringfügig härter.

Was uns Mitteleuropäern hilft, ist das kleine Zimmergewächshaus (bestenfalls an einem Südfenster, über einer Heizung) , was ich schon in Teil 1. vorgestellt habe. Unter dem Klarsichtdeckel sammeln sich die wärmenden Sonnenstrahlen, der Deckel wirkt der Verdunstung des Wassers entgegen, so dass unter der Haube ein Kleinklima mit gespannter, feuchter Luft entsteht.
Dort kann an sonnigen Tagen eine Temperatur bis zu 28 Grad erreicht werden, was unsere Kleinlinge zum Keimen und dem ersten Wachstum sehr zu schätzen wissen.

Jetzt besitzen aber nicht alle Leute ein geeignetes Südfenster... sie mögen es vielleicht mit der Anzucht an einem Ost-oder Westfenster versuchen....
So leid es mir tut: Euch rate ich, Pflanzenlampen zu kaufen ( sie kosten nicht viel), und ggf. auch Heizmatten ( kosten ebenfalls nicht viel) für unter Eure Pflanzung.

Wärme und Licht stehen bei der ersten Anzucht von Tomaten, Paprika , Chilis, auch Auberginen, in einem engen Verhältnis.
Als erstes ist gute Wärme wichtig, das Licht folgt, sobald die Pflänzchen nur etwas größer sind.


Hier kommen wir nun zu Punkt 2. der Risiken, und zwar zu dem- nach Wärme ( ohne die geht gar nichts!) - am wichtigsten:

- das Licht reicht nicht aus, die Pflanzen bilden lange Hälse.​

Zu unserer Verblüffung stellen wir nämlich fest, dass selbst der Stand am sonnigen Südfenster in Mitteleuropa nicht ausreicht, und unsere kleinen Pflanzen trotzdem langhalsig werden.


Hier ein Foto:
 größere chili, paprika .jpg

Nun: das ist (ohne Pflanzenleuchte) normal!
Selbst geübten Gärtnern kann es passieren, dass deren Pflanzen, nachdem sie die erste Zeit ( mit Glück und besonders guter Sonne) noch ganz gut kompakt blieben, dann Mitte/Ende April, am kühleren Quartier, anfangen zu 'verspargeln' und beginnen lange, dünne Triebe zu bilden.
Das ist absolut nicht wünschenswert! Wir brauchen feste, kompakte Pflanzen!

Aber: gegen mangelndes Licht können wir von vorn herein etwas tun! *lach* Gut, die Sonne und deren Energie können wir nicht beeinflussen, wohl aber das Wachstum unserer Pflanzen.

Sicher habt Ihr schon etwas von

Adventivwurzeln​

gehört?

Sie werden bei Tomaten, Chilis und Paprika an den Stängeln gebildet, sie sorgen dafür, dass die Pflanzen mehr Nährstoffe aufnehmen können, deshalb besser fruchten, und sie sind auch der Grund dafür, dass man Tomaten, im Mai, tief, und zwar bis zum ersten Blattpaar ( ggf. etwas schräg) einbuddeln soll. ( Jeder Gärtner, der schon mal Tomaten eingepflanzt hat, sollte das wissen.)

chil, pap, Aventivwurzeln.jpg

Auf diesem Foto seht Ihr schon, wie sich bei unserer Pflanzung auf dem Wohnzimmerfenster Adventivwurzeln bilden

Dieses Wissen um die Adventivwurzeln machen wir uns nun früh zu Nutze!

Was Ihr für den nächsten Schritt braucht:
- hohe durchsichtige Plastikbierbecher
oder
-alte hohe Jogurtbecher
oder
- höhere Plastiktöpfchen

Sowie Zugriff auf neue Blumenerde.

Denn langsam müssen unsere Kleinlinge jetzt sowieso aus ihren Winzbehältern raus und mehr Futter in Form von Erde bekommen.

Da ich sie ja in diesen viereckigen Pappdingern angezogen habe, brauche ich mich um das Pikieren ( das sorgfältige einzeln setzten) der Pflanzen nicht zu kümmern. Ich brauche keine Wurzeln zu trennen, und habe dabei hinterher auch keine hängenden oder im Wachstum gestörten Pflanzen... ich muss nur die feuchten Pappförmchen mit der Schere einzeln abtrennen.

Bevor ich nun die einzelnen Pappförmchen mitsamt den Pflanzen in einen tiefen Bierbecher ( oder ähnliches) werfe, ist folgender Schritt wichtig: Ihr reisst den feuchten Pappboden mit den Fingern ab! So können sich die feinen Würzelchen der Pflanzen leicht ihren neuen Boden erschließen, ohne dass sie noch gegen eine Barriere aus Pappe kämpfen müssten, die sich zwar auch mit der Zeit zersetzt - aber eben nur langsam.

Ungefähr so sieht es jetzt aus: chili, pap, topfen 1.jpg



Nun greift Ihr mit den Fingern ( oder einem Esslöffel ) in die bereitgestellte Erde, werft von oben herkömmliche Blumenerde drauf und schüttelt ein bisschen. Angießen mit Wasser aus einem Gefäß Euer Wahl.

Und weil die Kleinen zunächst zum Weiterwachsen von viel Wärme brauchen, decke ich sie mit Klarsichtfolie ab.

chili, Pap, fertig umgepflanzt.jpg


Damit ist das Umbetten dieser Pflanzen bis Mitte Mai fertig.
Ich kann ihnen - in ihren tiefen Behältern - immer mehr Erde geben, und sie werden bis Mai stabil weiter wachsen.

Geli
 
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