Tieranekdoten

Angelika-Marie

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Seit 2012 östliches Ruhrgebiet, im platten Land
Hallo Foris,:)

nach einem Leben immer mit Tieren bin ich seit einem Jahr ganz ohne Viecher. Brauch' auch dringend ein Neues, weiss aber nicht welches. Was mich hindert: Ich habe eine alte Mutter von 85, die noch allein lebt - 70 Kilometer entfernt - um die ich mich kümmere, habe eine Firma - um die ich mich wenig kümmere - und seit Anfang des Jahres einen erwachsenen Sohn mit Drogenproblemen, um den ich mich viel kümmere. Also: Aktuell wenig Zeit für Tiere.
Als Ausgleich würde ich gerne Geschichten erzählen, vielleicht habt Ihr ja auch Spass daran, und Lust selber zu berichten. Ich habe gesehen, dass sich hier "Lieblingsgeschichten mit und von Tieren" nicht lange gehalten haben, deshalb versuche ich es mal mit dem Titel "Tieranekdoten"
und fange gleich mal damit an:

Wir schreiben das Jahr 1987. Unsere Familie - Vater Dirk, Mutter Geli -ich -und die Kids Max (4) und Paul (3) wohnen in einem netten Fachwerkhaus mit grossem Garten. Vom Garten ist ein Teil (Obstwiesen) abgetrennt, die sind an einen Schäfer verpachtet. Dort wohnen, ganz klar, die Schafe.
Unter anderem ein ganz besonderes Schaf, die Laura. Sie ist mit der Flasche grossgezogen worden und betrachtet Menschen folglich als ihresgleichen.
Wie es Laura immer gelang aus ihrem Offenstall auszubrechen, weiss ich nicht. Es zog sie ganz klar ins Haus und zu den Kindern, und dort - haben die Kid's mitgeholfen, muss man sich fragen - ins untere der Kinderetagenbetten. Dort lag Laura dann wonniglich, mit Sternchen in den Augen in den Kissen...
Das war aber nichts für Vater Dirk, der nicht mal den Beagle im Schlafzimmer dulden wollte, und nun ein Schaf im Kinderbett?- Nein, das ging ihm gewaltig über die Hutschnur, und der Schäfer wurde mit bösen Worten zur Rechenschaft gezogen, dass er gefälligst den Zaun so gestalten sollte, dass seine ver*.....ten Schafe drinneblieben!
Von Laura muss man auch noch sagen, dass sie ein innigliches Verhältnis zu unserem Kater, genannt "Jimmy Charter" ( wie sollte man einen blonden Kater zur Zeit der Charterregierung auch anders nennen,) hatte.
Überdies hatte Laura leicht Durchfall. Das machte, dass ihre Schwanzlocken im Prinzip immer trocken stuhlverklebt waren. Nun, das bedeutete, wenn Laura sich freute, wackelte der ganze Lämmerschwanz mit einem trockenen Klappern, wie bei einer Klapperschlange.
Laura klapperte wenn sie im Kinderbett gefunden wurde, Laura klapperte, wenn Jimmy Charter auf einen der Holzpfosten zur Schafwiese sprang, um den Kater zu begüssen, Laura klapperte unter dem Pflaumenbaum, wenn Jimmy obendrinsaß und mit den reifen Pflaumen "abservieren" spielte. Das heisst, er titschte sie mit der Pfote an, und dann fielen sie zum Vergnügen der beiden ins Gras. Laura mochte gerne Pfaumen, und somit blieb die Beschaffenheit des vollgekackten Schwänzchens erhalten.
Immer wenn es im Garten trocken klapperte, war klar: da freut sich das Schaf.
Eines schönen Sonntages wollte Vater Dirk kochen. Und zur Feier des Tages sollte das Essen auf einem Sonnenfleck im Garten eingenommen werden.
Vater Dirk hatte Gartentisch und Stühle nah an die Schafskoppel gerückt, denn da schien im Juli, Sonntags um 12 die Sonne hin.
Alles war fein gedeckt, der damals Liebste hatte eine grosse Pfanne Bratkartoffeln zubereitet, einem Gurkensalat, Bratwürstchen.
Nur die Kinder und ich fehlten noch. Er kam ins Haus, um uns zu rufen.
Aber was sahen wir, als wir in den Garten kamen? - Da stand das Schaf Laura mit allen vieren auf dem Gartentisch, und frass die Bratkartoffeln!
Oh, der Dirk ist sooo böse geworden! Er hat geschrien und mit den Armen gefuchtelt und, sich dann vorsichtig nähernd, versucht auf das Schaf einzudreschen, und die Kinder haben sich an seine Arme und Beine gehängt, und gerufen: "Papa, du sollst nicht hauen!" "Papa, man darf nicht schlagen!!!"
Und das Schaf Laura hat mit dem Schwanz geklappert.

Und die Mama, ich, ist still unter den Apfelbaum gegangen, den mit den ganz frühen Äpfeln, und hat eine Handvoll dieser Köstlichkeiten geholt und dem Schaf Laura mit beschwörenden Worten angeboten.
Da ist die Laura vom Tisch gesprungen, und ich habe die Äpfel in die Schafskoppel geworfen, und sie war ganz heiss, durch das Törchen hereinzurennen, um das Feine da zu kriegen. Aber dann hat sie entdeckt , dass es "nur" Äpfel waren...
Und während Vater Dirk am Tisch aussortierte ob und was man von den Bratkartoffeln noch essen könnte, stand die Laura auf ihrer Wiese und schrie entäuscht: "Bäääh!"- Ihr habt mich betrogen! "Määääh" - Ich hätte Bratkartoffeln haben können! "Bäääh!" Ihr Schweinepriester, eingesperrt habt ihr mich! - So klang es jedenfalls in unseren Ohren.

Liebe Grüsse,
Geli
 
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